GESAMT-ROUNDUP: Angriffe auf Stromversorgung - Ermittlungen wegen Sabotage
BERGHEIM/TURNOW-PREILACK/BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem Angriff auf das Stromnetz in SĂŒdbrandenburg gehen die Ermittler davon aus, dass auch die Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln auf verfassungsfeindliche Sabotage zurĂŒckgeht. Unbekannte hĂ€tten Kabel ĂŒber die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU). "Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an."
Zwei Angriffe innerhalb von zwei Tagen
In Brandenburg hatten Unbekannte am Dienstagmorgen versucht, in der NÀhe des Umspannwerks Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks JÀnschwalde die Stromversorgung zu stören. Dazu lenkten sie nach Angaben von Innenminister Jan Redmann (CDU) mit Hilfe selbstgebauter Flugkörper, die Silvesterraketen Àhnelten, leitfÀhiges Material in Richtung Höchstspannungsleitungen. Am Abend kam es dann zu der Störung an dem Umspannwerk in Bergheim.
Keine StromausfÀlle - Ermittler vernetzen sich
Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung gab es weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen. Ob es einen Zusammenhang zwischen den VorfĂ€llen gibt und wer dahinterstecken könnte, ist noch offen. "Wir prĂŒfen zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus", sagte Reul.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni, der dazu gefĂŒhrt hatte, dass rund 7.600 GebĂ€ude und etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaĂlicher Sabotageversuche. Die betroffenen LĂ€nder wollen sich nun stĂ€rker vernetzen.
Brandenburgs Innenminister: "Verdammtes GlĂŒck gehabt"
Innenminister Redmann sprach davon, dass man in Brandenburg "verdammtes GlĂŒck" gehabt habe. Denn nach jetzigem Stand habe nur einer der mehr als einem Dutzend "raketenĂ€hnlichen GegenstĂ€nden" mit Treibsatz sein Ziel erreicht. Dies blieb jedoch ohne Auswirkungen - anders als in Berlin Anfang des Jahres, wo ein Brandanschlag auf eine KabelbrĂŒcke einen groĂflĂ€chigen Stromausfall auslöste, von dem Zehntausende Menschen betroffen waren. Hier gehen die Ermittler von linksextremistischen TĂ€tern aus.
Redmann erklĂ€rte, die TatausfĂŒhrung in Brandenburg sei aber anders als bei bisherigen AnschlĂ€gen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das betroffene Umspannwerk zĂ€hlt dem Innenminister zufolge zu einem der relevantesten in Deutschland.
In NRW fĂŒnf Braunkohle-Kraftwerksblöcke vom Netz
In Nordrhein-Westfalen wurde die Polizei am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr zunĂ€chst wegen einer technischen Störung zu dem Umspannwerk in Bergheim gerufen. Durch einen Kurzschluss seien mehrere Leitungen ausgefallen, hieĂ es. FĂŒnf Braunkohle-Kraftwerksblöcke gingen vom Netz. Der Energieversorger Amprion versicherte: "Die allgemeine Stromversorgung war zu keinem Zeitpunkt davon betroffen und die SystemstabilitĂ€t immer gewĂ€hrleistet."/wn/DP/jha