Dr. Ing. h.c. F. Porsche AGEI Kaufen
27.10. 11:32 42,530€ +2,90%
Porsche Automobil Holding SEEI Kaufen
27.10. 11:32 24,520€ -0,41%
Volkswagen AG Vz.EI Kaufen
27.10. 11:31 67,980€ -1,93%
27.10. 10:20

ROUNDUP: Porsche schneidet im schwierigen Umfeld robust ab - Aktie etwas erholt


STUTTGART (dpa-AFX) - Der Sportwagen- und SUV-Bauer Porsche AG hat angesichts gesunkener Verkäufe im dritten Quartal noch etwas weniger Geschäft verbucht als erwartet. Dabei half allerdings, dass Porsche den Anteil teurerer Autos steigerte. Das federte den deutlichen Rückgang der Auslieferungen etwas ab. Der Umsatz ging zurück, bei den Ergebniskennzahlen gab es wieder schwarze Zahlen, nachdem Porsche ein Jahr zuvor wegen Sonderkosten Verluste geschrieben hatte. Für den strategischen Schwenk hin zu einer wieder stärkeren Entwicklung von Verbrennerantrieben verbuchte Porsche im Quartal weitere rund 300 Millionen Euro. An der Börse begrüßten Anleger vor allem den unerwartet starken Zufluss freier Mittel, die im MDax notierte Aktie legte zu.

Das Papier gewann nach Handelsbeginn 2,8 Prozent auf 42,49 Euro. Damit steht im laufenden Jahr noch ein Kursminus von knapp 7 Prozent zu Buche. Analyst Jose Asumendi von der US-Großbank JPMorgan sah in den Resultaten ein solides Quartal, das den Aufwärtsschwung bei Porsche belege. Verkaufspreise und Produktmix untermauerten die Ergebnisse. Ein starker Mittelzufluss (Cashflow) unterstreiche die finanzielle Widerstandsfähigkeit des Unternehmens.

Der Umsatz ging im Quartal um 7,5 Prozent auf 8,05 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Operativ verdiente der Autobauer aus dem VW-Konzern mit 387 Millionen Euro wieder Geld, nachdem ein Jahr zuvor Sonderkosten das operative Ergebnis auf minus 966 Millionen hatten absacken lassen. Bei Umsatz und operativem Ergebnis hatten Analysten zwar zuvor etwas mehr auf dem Zettel. Die Profitabilität traf mit einer Marge von 4,8 Prozent jedoch die Erwartungen. Porsche-Chef Michael Leiters bestätigte den Jahresausblick.

Nach neun Monaten steht für die Stuttgarter unter dem Strich ein Gewinn nach Steuern von 1,82 Milliarden Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor waren es wegen der Neuausrichtung des schwächelnden Sportwagenbauers nur 114 Millionen Euro Gewinn gewesen.

Porsche steht vor allem wegen des Einbruchs in China deutlich unter Druck, auch die Einfuhrzölle in die USA belasten. Im bisherigen Jahr sanken die Auslieferungen insgesamt um 16 Prozent auf 178.532 Autos. Zudem schwenkten die Schwaben in ihrem Elektrokurs um. Sie stecken künftig wieder verstärkt Geld in die Entwicklung von Verbrennerantrieben, weil die Kunden im Luxus- und Sportwagen-Segment mit Elektroautos fremdeln. Das sorgte vor allem im Vorjahr für hohe Sonderkosten, belastet aber auch dieses Jahr noch mit rund 800 bis 900 Millionen Euro, wie Finanzchef Jochen Breckner in einer Analystenkonferenz die bisherige Planung bestätigte.

Im kommenden Jahr dürften es noch einmal 400 Millionen Euro an Sonderkosten werden, sagte der Manager. Ohnehin bleibt das Umfeld schwierig. Weil der aktuelle Verbrenner-Macan nach Europa auch im Rest der Welt ausläuft und auch in China das Geschäft schwierig bleibt, dürften Absatz und operatives Ergebnis 2027 gegenüber dem laufenden Jahr zurückgehen.

Im Gegenzug konzentriert sich Porsche-Chef Leiters stärker auf das Kerngeschäft. So hat sich Porsche über Verkäufe von Unternehmensteilen Geld beschafft. Das Unternehmen schloss den Verkauf der Anteile an den Firmen Bugatti Rimac und der Rimac Group im September ab. Daraus resultierte ein Veräußerungsgewinn von 593 Millionen Euro, der sich zu einem Großteil im Finanzergebnis niederschlug. Im August schlossen die Stuttgarter außerdem eine Vereinbarung zum Verkauf der eigenen Unternehmensberatung MHP an die indische Tata Consulting Services (TCS).

Porsche flossen aus dem Autogeschäft - also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet - in den ersten neun Monaten 2,5 Milliarden Euro zu. Im Vorjahreszeitraum war es nur etwas mehr als die Hälfte gewesen. Im dritten Quartal allein waren es knapp 1,5 Milliarden.

Eine eigene Produktion in den USA, um Einfuhrzölle zu umgehen, kommt für Porsche weiter nicht in Frage. Zwar könnte eine Produktion in dem neu angekündigten Audi-Werk dort Synergien nutzen, sagte Breckner. Allerdings würde das eine neue Komplexität erzeugen - so seien dann Motorenexporte in die USA nötig und der Konzern müsse auch in das Zulieferersystem investieren. Bei der Größe Porsches lohne sich das bis auf Weiteres nicht. Zu möglichen indirekten Effekten über eventuell freiwerdende Audi-Produktionskapazitäten in Europa wollte Breckner keine Prognosen anstellen./men/lew/stk