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05.03. 12:39

ROUNDUP 3/Schwacher Dollar und Generika: Merck erwartet Gewinnrückgang


(neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs aktualisiert, weiterer Analyst)

DARMSTADT (dpa-AFX) - Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck stellt sich wegen harter Konkurrenz und des schwachen US-Dollars auf schwierige Zeiten ein. 2026 dürfte das operative Ergebnis zurückgehen und der Umsatz bestenfalls das Vorjahresniveau erreichen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Bereits 2025 bremsten negative Währungseffekte: Zwar verdiente Merck operativ etwas mehr als im Jahr zuvor, musste aber leichte Umsatzeinbußen und unter dem Strich einen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Dividende soll jedoch stabil bei 2,20 Euro je Anteil bleiben.

Der Ausblick liege unter den Markterwartungen, die nun sinken dürften, schrieb Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion. UBS-Experte sprach von einem "auf den ersten Blick" etwas schwachen Ausblick, allerdings habe der Konzern verwirrenderweise seinen Blockbuster Mavenclad aus den Zielen herausgenommen. Nach Konzerndefinition liege der Ausblick daher in etwa auf Höhe seiner Erwartung. An der Börse lag die Aktie zuletzt mit 1,6 Prozent im Minus.

In diesem Jahr dürfte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro sinken, hieß es vom Unternehmen. Der Umsatz wird bei 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro erwartet.

Erheblichen Gegenwind erwartet Merck vom schwachen Dollar, der unter US-Präsident Donald Trump deutlich an Wert verloren hat. Da Merck rund ein Viertel seines globalen Jahresumsatzes in den USA macht, trifft das die Darmstädter spürbar.

Zudem stellt sich der Konzern in seinem Ausblick darauf ein, dass ab März US-Umsätze mit einem seiner wichtigsten Kassenschlager wegfallen, dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad. Grund sei der beginnende Wettbewerb durch Nachahmerarzneien. Allein im vergangenen Jahr stand Nordamerika nach Angaben von Finanzchefin Helene von Roeder für ungefähr die Hälfte der Mavenclad-Umsätze von insgesamt 1,2 Milliarden Euro. "Wir wissen nicht genau, welche Generika da noch kommen werden", begründete die Managerin die vorsichtige Einschätzung zu dem Mittel.

Überdies berücksichtige die Konzernprognose keine Effekte aus einer möglichen US-Marktzulassung des Fruchtbarkeitsmedikaments Pergoveris, für die derzeit eine beschleunigte Prüfung beantragt wird.

Unterdessen will Merck die mit der US-Regierung ausgehandelte Vereinbarung trotz des jüngsten Zoll-Urteils des US-Supreme-Courts nicht antasten. "Für uns ist das eine Win-Win-Situation", sagte Garijo. Mercks US-Tochter EMD Serono hatte sich im vergangenen Oktober zu deutlichen Preisnachlässen für drei Medikamente verpflichtet, die bei Behandlungen für künstliche Befruchtungen zum Einsatz kommen. Im Gegenzug zahlte Merck in der Pharmasparte laut Finanzvorständin von Roeder im vergangenen Jahr keine Zölle. Anders dagegen seien gewisse Zoll-Aufschläge für Produkte aus dem Laborgeschäft und der Elektronik-Sparte fällig geworden.

Schon im vergangenen Jahr hat der schwache Dollar und Effekte bei asiatischen Währungen Merck belastet. Der Umsatz ging 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro zurück. Organisch - also ohne Wechselkurs- und Portfolioeffekte - war es aber ein Plus von 3,1 Prozent.

Zuwächse erzielte das Laborgeschäft, das sich dank wieder anziehender Geschäfte mit Produkten rund um die Arzneimittelherstellung vom Nachfrageknick der Post-Coronazeit erholte. Als Treiber in der Pharmasparte erwiesen sich Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen sowie der im Sommer übernommene US-Krebsspezialist Springwork Therapeutics. Die auf Halbleitermaterialien ausgerichtete Sparte Electronics verbuchte hingegen deutlich weniger Erlös als im Vorjahr. Hier boomten zwar die Geschäfte rund um Künstliche Intelligenz (KI), doch belasteten anhaltende Verzögerungen bei großen Kundenprojekten.

Konzernweit erzielte Merck 2025 somit ein bereinigtes operatives Ergebnis (ber. Ebitda) von 6,1 Milliarden Euro, das waren 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Unter dem Strich mussten die Südhessen jedoch einen Gewinnrückgang um rund 6 Prozent auf gut 2,6 Milliarden hinnehmen.

Belen Garijo, die in weniger als zwei Monaten als neue Chefin zum französischen Pharmakonzern Sanofi wechselt, erklärte zum Abschied vor Journalisten: "Ich bin sehr stolz, was wir in den vergangenen fünf Jahren erreicht haben." Der Konzern sei größer, profitabler, effizienter und habe weniger Schulden. Merck sieht sie nach dem jüngsten Umbau, der neben Zu- und Verkäufen auch hohe Investitionen in Produktions- und Forschungsapazitäten einschloss, gut gerüstet.

Der Konzern sei gut aufgestellt, um Megatrends etwa im Arzneimittelgeschäft und den hohen Bedarf bei Künstlicher Intelligenz zu bedienen, sagte die Managerin. So setzt Merck beispielsweise auf den US-Zukauf Springworks, der im neu geschaffenen Arzneimittelgeschäft mit seltenen Erkrankungen helfen soll, mit der Zeit die entstehende Mavenclad-Umsatzlücke zu füllen.

Garijo steht seit Mai 2021 an der Spitze des Dax -Unternehmens, Ende April reicht sie nun die Führung an Kai Beckmann weiter, der derzeit noch die Elektronik-Sparte leitet. Die spanische Managerin steuerte Merck durch die Corona-Pandemie, in der das Unternehmen erheblich von einer hohen Nachfrage der Impfstoffforscher und ?hersteller profitierte. Zudem managte sie mehrere Zukäufe, wie zuletzt die milliardenschwere Springworks-Übernahme. Den versprochenen Zukauf für die Laborsparte blieb sie aber schuldig./tav/nas/men