BAD HOMBURG (dpa-AFX) - Hohe Kosten für den Konzernumbau und negative Wechselkurse haben den Jahresstart beim Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC) überschattet. So schmälern etwa die Ausgaben für die US-Einführung eines modernen Dialysegeräts die Gewinne. Viel Geld verschlingt aktuell auch die Verkleinerung des Klinik-Netzes. Konzernchefin Helen Giza hatte deshalb 2026 schon längst zum Übergangsjahr erklärt und bestätigte nun am Dienstag zur Zahlenvorlage ihre Ziele. Die Aktie brach trotz getroffener Markterwartungen ein, Analysten monierten unter anderem die schwache Entwicklung der Behandlungszahlen in den USA. Im frühen Handel fiel das Papier um zuletzt knapp 3,5 Prozent auf 37,52 Euro, nachdem es zuvor mit Verlusten vom fast zehn Prozent auf ein Tief seit November 2024 gerutscht war. In den ersten drei Monaten bis Ende März sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern in Bad Homburg mitteilte. Erhebliche negative Währungseffekte hätten alle drei Segmente belastet. Zu konstanten Wechselkursen hätte sich ein Zuwachs von 3 Prozent ergeben. Portfolioveränderungen ebenfalls herausgerechnet betrug das organische Plus 4 Prozent. Während FMC in dem Quartal in seinem wichtigen US-Dialysegeschäft noch von vorteilhaften Vergütungsregeln profitierte, wirkten sich im Produktgeschäft unter anderem Chinas strengeres Vorgehen bei der Beschaffung und Ausschreibung für Medikamente aus. Das bereinigte operative Ergebnis des Konzerns kletterte zwar nominal um 2 Prozent auf 467 Millionen Euro, und währungsbereinigt gar um 10 Prozent. Inklusive aller Sondereffekte brach die Kennziffer aber um 14 Prozent auf 286 Millionen Euro ein. Unter dem Stich schmolz der Konzerngewinn auch wegen der Umbaukosten um 22 Prozent auf 118 Millionen Euro. So fielen etwa 166 Millionen Euro für weitere Klinikschließungen an. Das Management erwartet für 2026 unverändert, dass das bereinigte operative Ergebnis zu konstanten Wechselkursen um einen mittleren einstelligen Prozentbereich steigt oder fällt. Der Umsatz soll währungsbereinigt auf dem Vorjahresniveau von gut 19,6 Milliarden Euro herauskommen. Laut David Adlington von der US-Bank JPMorgan hat FMC zum Jahresstart im Rahmen der Erwartungen abgeschnitten. Er verwies jedoch darauf, dass dem Konzern zunehmender regulatorischer Gegenwind bevorstehe. So dürfte der zunächst noch starke regulatorische Rückenwind in den USA im ersten Quartal wohl den Höhepunkt markiert haben und sich im zweiten Halbjahr sogar in Gegenwind umkehren. Bei den betroffenen Erstattungen handelt es sich um zeitlich begrenzte höhere Pauschalen für neue Medikamente. Auch FMC-Lenkerin Giza hat bereits angekündigt, dass diese positiven Effekte in den USA in diesem Jahr nachlassen werden. JPMorgan-Experte Adlington bemängelte ferner, dass sich die Dynamik bei den Behandlungszahlen in den USA zum Jahresstart weiter verschlechtert habe. Dort kämpft der Konzern schon seit langem mit einem mauen organischen Behandlungswachstum, im ersten Quartal lag es bei minus 0,4 Prozent. Um die Behandlungszahlen anzukurbeln, setzt der Konzern deshalb in den USA auf sein neues Dialysegerät "5008X" für die sogenannte hochvolumige Hämodiafiltration (HVHDF). Dieses Verfahren gilt als effektiver in der Blutwäsche und könnte womöglich die erhöhten Sterblichkeitsraten dortiger Dialyse-Patienten verringern. Das System sei mittlerweile in mehr als 100 US-Kliniken verfügbar, und es seien bereits 100.000 Behandlungen durchgeführt worden, hieß es. "Wir sind hochzufrieden mit der Geschwindigkeit der Einführung", sagte Giza. Zugleich setzt das Management ungebremst den Rotstift an. Seit mehr als drei Jahren läuft im Konzern bereits ein Spar- und Restrukturierungsprogramm, dessen Ziele Giza mehrfach aufgestockt und die Laufzeit verlängert hat. Bis 2027 soll die Neuorganisation Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro bringen, wie FMC bekräftigte. Für 2026 werden 250 Millionen erwartet. Zuletzt begann der Konzern mit der Schließung der ersten 64 von bis zu 100 möglicherweise vor dem Aus stehenden Standorten. "Das Unternehmen geht davon aus, dass es den Großteil seiner Dialysepatienten in benachbarten Kliniken weiterbehandeln kann." Bereits in den vergangenen Jahren hatte FMC unrentable Kliniken geschlossen, sich von margenschwachen Randbereichen getrennt und sich aus schwierigen Märkten zurückgezogen. Auch Produktions- und Lieferketten wurden optimiert und tausende Stellen gestrichen. FMC ist seit November 2023 eigenständig und von der früheren Mutter Fresenius entflochten, die aber noch eine Beteiligung hält./tav/mne/stk